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Analyse Booking Holdings – Expedia Aktie 2022

Einleitung

Die Reisebranche hat besonders unter der COVID-19 Pandemie gelitten und leidet immer noch. Schon zu Beginn dieser weltweiten Krise hat Lufthansa CEO Carsten Spohr betont, die Reisebranche ist die erste Branche, die davon betroffen sein wird und wird die letzte sein, die sich davon erholt. Trotz der momentanen durch die Omikron Variante stark ansteigenden Infektionszahlen ist dennoch ein Ende diese Pandemie in Sicht. Das wird unweigerlich zum Comeback der Reise führen. Viele Menschen sehnen sich nach Urlaub und tollen Reiseerlebnissen.

Die Reisebranche ist sehr groß und beinhaltet zahlreiche Kategorien. Dazu gehören unter anderem Hotels, Airlines, Kreuzfahrten, Ferienwohnungen, Autovermietungen und vieles mehr. Und auch Reisebüros und andere Plattformen, die den potenziellen Urlaubern die Recherche und Buchung des Urlaubs vereinfachen sollen, mischen in diesem breitgefächerten Markt mit.

Hierbei gibt es zwei große Mitstreiter, die nicht nur Reisenden sehr gut bekannt sind, sondern auch Investoren und Aktionären. Die Rede ist von Booking Holdings Inc. und Expedia Inc. Diese beiden sogenannten „Online Travel Agencies“ (OTC) vereinen viele verschiedene Buchungsplattformen und sind aufgrund ihrer Bekanntheit und Marktmacht interessante Investitionsobjekte. Wir wollen in diesem Artikel beide Unternehmen analysieren, die möglichen künftigen Entwicklungen erforschen und einen fairen Wert für die Aktie bestimmen. Viel Spaß beim lesen!

Eckdaten zur Booking Holdings Aktie

AktieWert
NameBooking Holdings Inc.
HauptsitzNorwalk, Connecticut, USA
Gründungsjahr1997
Mitarbeiterca. 19.600
ISINUS09857L1089
WKNA2JEXP
TickerBKNG
Ausstehende Aktien41.063.490
Börsenwert100,5 Mrd. USD
Investor Relations WebsiteLink
Letzter GeschäftsberichtGeschäftsbericht 2020 (Geschäftsjahr endet am 31.12.2020)
Umsatz letzte 12 Monate9,2 Mrd. USD
Stand 12.01.2021

Eckdaten Expedia Aktie

AktieWert
NameExpedia Group, Inc.
HauptsitzSeattle, Washington, USA
Gründungsjahr1996
Mitarbeiterca. 19.600
ISINUS30212P3038
WKNA1JRLJ
TickerEXPE
Ausstehende Aktien151.527.600
Börsenwert27,9 Mrd. USD
Investor Relations WebsiteLink
Letzter GeschäftsberichtGeschäftsbericht 2020 (Geschäftsjahr endet am 31.12.2020)
Umsatz letzte 12 Monate7,2 Mrd. USD
Stand 12.01.2021

Unternehmensvorstellung Booking Holdings

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Eigene Darstellung

Booking Holdings Inc. bietet weltweit Online-Reservierungen für Reisen und Restaurants sowie damit verbundene Dienstleistungen an. Das Unternehmen betreibt folgende Portale:

  • Booking.com (Unterkünfte)
  • Rentalcars.com (Mietwagen)
  • Priceline (Hotel, Mietwagen, Flugticket-Reservierung, Urlaubspakete, Kreuzfahrten)
  • Agoda (Unterkünfte, Flugtickets, Bodentransport, Aktivitäten)

Außerdem betreibt es KAYAK, einen Online-Preisvergleichsdienst, der es Verbrauchern ermöglicht, Reiserouten und Preise zu suchen und zu vergleichen, einschließlich Flugticket-, Unterkunfts- und Mietwagen-Reservierungsinformationen. Das Angebot wird komplettiert durch OpenTable, eine Plattform für Online-Restaurantreservierungen.

Darüber hinaus bietet das Unternehmen reisebezogene Versicherungsprodukte und Restaurantmanagementdienste an. Das Unternehmen war früher als The Priceline Group Inc. bekannt und änderte im Februar 2018 seinen Namen in Booking Holdings Inc.

Interessant zu wissen ist, dass Booking.com B.V. seinen Hauptsitz in Amsterdam hat.

Unternehmensvorstellung Expedia

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Eigene Darstellung

Expedia Group, Inc. ist als Online-Reiseunternehmen in den Vereinigten Staaten und international tätig. Das Portfolio umfasst folgende Marken:

  • Brand Expedia (Full-Service-Online-Reisemarke mit lokalisierten Websites; Hotels, Flüge, Mietwagen, Pauschalreisen, Pakete)
  • Hotels.com (Hotels)
  • Vrbo (Ferienwohnungen)
  • Orbitz, Travelocity, ebookers, Hotwire und CheapTickets (Reise-Websites)
  • CarRentals.com (Mietwagen)
  • Expedia Cruise (Kreuzfahrten)

Das Markenportfolio des Unternehmens umfasst auch Expedia Partner Solutions, eine Business-to-Business-Marke, die vertikale Reise- und Nicht-Reiseleistungen anbietet, darunter Geschäftsreisemanagement (EGENCIA), Fluggesellschaften, Reisebüros, Online-Händler und Finanzinstitute, sowie Egencia, das Geschäftsreisemanagementdienste anbietet.

Darüber hinaus besteht sein Markenportfolio aus Trivago, einer Hotel-Metasuch-Website, die Empfehlungen an Online-Reiseunternehmen und Reisedienstleister von Hotel-Metasuch-Websites sendet.

Ferner bietet das Unternehmen Online-Reisedienstleistungen über seine Marke Wotif.com, Treueprogramme, Hotelunterkünfte und alternative Unterkünfte sowie Werbe- und Mediendienstleistungen an.

Geschäftsmodell von Expedia und Booking Holdings

Die Geschäftsmodelle von Expedia und Booking Holdings lassen sich im Grunde genommen in drei Kategorien erfassen: Agency Business Model, Merchant Business Model und Advertising Business Model.

Agency Business Model:

Agency Revenues stammen aus reisebezogenen Transaktionen, bei denen das Unternehmen keine Zahlungen von Reisenden für die erbrachten Leistungen vermittelt. Das Unternehmen vermittelt nur die Reise zwischen Hotel und Reisenden. Das Unternehmen stellt den Reisedienstleistern (z.B. Hotels) die Provisionen in dem Monat in Rechnung, in dem die Reise abgeschlossen wird. Die Einnahmen des OTA bestehen fast vollständig aus Provisionen.

Booking Holdings fokussiert sich stark auf dieses Geschäftsmodell.

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Eigene Darstellung

Merchant Business Model

Merchant Revenues stammen aus reisebezogenen Transaktionen, bei denen das Unternehmen die Zahlungen der Reisenden für die erbrachten Leistungen, im Allgemeinen zum Zeitpunkt der Buchung, vereinnahmt. Die Umsatzerlöse umfassen dann die Reisebuchungsprovisionen und die Differenz aus dem den Reisenden in Rechnung gestellte Betrag abzüglich des Betrags, der den Reisedienstleistern geschuldet wird.

In der Regel ist es üblich, dass unter dem Merchant Business Model das Reisebüro (hier Expedia oder Booking) die Kontingente von den Reiseanbietern kaufen (z.B. Hotelzimmer, Flugtickets etc.) und dann weiterverkaufen. Dazu gehört, dass sie das Risiko des „Nichtverkaufs“ haben und dann auf den Kontingenten sitzen bleiben. Bei Expedia und Booking ist es jedoch aufgrund der Marktmacht und damit verbundenen Verhandlungsmacht so, dass dieses Risiko entfällt und auf die Reiseanbieter übergeht.

Der Fokus von Expedia liegt auf diesem Business Model.

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Eigene Darstellung

Gross Bookings

Die Gross Bookings oder auch Gross Booking Value (GBV) genannt stellen eine wichtige statistische Kennzahl in der Reisebranche dar. Sie beziffert den Gesamtwert der gebuchten Reisen. Aus dem nachfolgenden Diagramm ist zu entnehmen, dass der GBV von Expedia immer etwas höher ist als der von Booking Holdings. Durch die COVID-19 Pandemie ist dieser Wert eingebrochen und war im Geschäftsjahr 2020 nahezu gleich hoch.

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Advertising Business Model

Unter dem Advertising Model werden den Reiseanbietern Werbemöglichkeiten auf Reiseplattformen angeboten, die dann als Cost per Click (CPC) abgerechnet werden. In dieses Geschäftsmodell fallen insbesondere KAYAK von Booking Holdings und Trivago von Expedia.

Fundamentale Analyse und Kennzahlen

Umsatzentwicklung

Im gesamten Analysezeitraum hat Booking Holdings höhere Umsatzerlöse erzielt als Expedia. Beide Unternehmen konnten bis 2019 sehr ordentliche Wachstumsraten aufweisen, doch die Coronapandemie hat diesen abrupt beendet und der Umsatz brach in 2020 völlig ein. Nun befindet man sich auf dem Weg zur Erholung.

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Ein großer Unterschied zwischen beiden Unternehmen ist der unterschiedliche Fokus auf die verschiedenen OTA Geschäftsmodelle. Das ist auch an der Umsatzverteilung zu erkennen. Ganz deutlich ist zu sehen, dass Booking Holdings einen hohen Umsatzanteil mit dem Agency Modell erwirtschaftet, während Expedia einen höheren Anteil mit dem Merchant Model erzielt.

Auch wenn keine detaillierten Zahlen zu der Profitabilität der unterschiedlichen Modelle vorliegen, wird sich im Laufe der Analyse dennoch zeigen, dass es hier große Unterschiede gibt.

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Für jeden Investor interessant und sehr eindrucksvoll zu sehen ist auf dem folgenden Diagramm die Saisonalität in der Umsatzverteilung. Beide Unternehmen haben „Peaks“ im Q3 eines jeden Jahres und ein Tief im Q4.

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Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass Booking Holdings trotz geringerem Gross Booking Volume einen höheren Umsatz als Expedia aufweist. Das Verhältnis von Umsatz zu GBV kann als Revenue Margin bezeichnet werden und wird in der nächsten Abbildung dargestellt. Diese ist bei Booking Holdings um einige Prozentpunkte höher, was darauf schließen lässt, dass das Unternehmen höhere Gebühren bei den Reiseanbietern durchsetzen kann. Doch ist jedoch auch ein kleiner Trend nach unten zu erkennen. In 2015 betrug diese noch 15,5% und in 2019 nur noch 14,5%. Der hohe Anstieg in 2020 ist durch die Pandemie und die damit zusammenhängenden Entwicklungen zu erklären und wird sich wieder normalisieren.

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Insgesamt lässt sich festhalten, dass Booking Holdings eine höhere Revenue Margin erzielt als Expedia und daher auch höhere Umsatzerlöse erwirtschaftet, obwohl die Gross Bookings geringer ausfallen.

Profitabilität

Die Profitabilität beider Unternehmen könnte nicht unterschiedlicher sein. Obwohl beide Unternehmen ähnliche Geschäftsmodelle haben, sind die absoluten und relativen Zahlen kaum zu vergleichen. In den nachfolgenden beiden Diagrammen haben wir das operative Ergebnis und das Nettoergebnis beider Unternehmen der letzten 7 Jahre dargestellt.

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Entsprechend fallen die Margen aus, bei denen Booking Holdings deutlich besser abschneidet als Expedia.

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Die wesentlich bessere Profitabilität von Booking Holdings spiegelt sich auch im Cashflow wider. Sowohl der operative Cashflow als auch der Free Cashflow ist deutlich höher und auch die FCF Margin ist im Vergleich zu Expedia wie von einer anderen Welt.

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Zwei entscheidende Gründe für die so stark unterschiedliche Profitabilität

Sie werden sich nun zu Recht fragen, wie das möglich ist. Der Hauptunterschied zwischen Booking Holdings und Expedia liegt in den Märkten, die sie bedienen. Expedia erwirtschaftet den Großteil seines Geschäfts in den Vereinigten Staaten, während Booking Holdings hauptsächlich in Europa tätig ist. Auf den ersten Blick mag dies ein unbedeutendes Detail sein, aber es ist entscheidend für das Verständnis der finanziellen Leistungen der beiden Unternehmen.

Obwohl Online-Reisebuchungs-Websites den Nutzern helfen, eine Vielzahl von Unterkünften zu buchen, einschließlich Flügen, Mietwagen und Ausflügen vor Ort, bringen ihnen die Provisionen für Hotelzimmer aufgrund der höheren Provisionssätze den größten Teil ihrer Gewinne.

Die Hotelmärkte in Europa und Nordamerika sind jedoch sehr unterschiedlich. Während die Vereinigten Staaten von Ketten wie Hilton und Marriott beherrscht werden, wird der europäische Hotelmarkt hauptsächlich von kleineren Boutique-Hotels bedient. Große Hotelketten kontrollieren Zehntausende von Zimmern und handeln ihre Verträge mit Online-Reisebüros zentral aus, wodurch sie sich günstigere Vertragsbedingungen und niedrigere Provisionssätze sichern können.

Infolgedessen kassiert Expedia im Durchschnitt viel niedrigere Provisionen für sein Hotelgeschäft als Booking Holdings, was ein wichtiger Grund dafür ist, dass das auf Europa konzentrierte Unternehmen höhere Gewinnspannen erzielt.

Der andere große Unterschied zwischen Booking und Expedia ist die Strategie der Markteinführung. Expedia wurde um einen Flickenteppich von Websites herum aufgebaut, die es im Laufe der Jahre erworben hat. Im Gegensatz dazu erwirtschaftet Booking Holdings immer noch den größten Teil seines Umsatzes mit der namensgebenden Plattform Booking.com.

Der Markenname ist wichtig. In Europa ist Booking.com eine dominantere Plattform. Es gibt zwar Konkurrenten, aber der Marktanteil ist größer als bei ähnlichen Websites in anderen Regionen. Infolgedessen stammt der meiste Verkehr von Booking.com von Nutzern, die direkt auf die Plattform gehen, anstatt von einer Suchmaschine dorthin geleitet zu werden. Dadurch werden die Kosten für bezahlte Werbung erheblich gesenkt.

Expedia erhält sicherlich eine Menge direkten Verkehr auf seine Website, aber das Nutzerverhalten in Nordamerika beginnt in der Regel mit Suchmaschinen wie Google. Aus diesem Grund verschlingen die Kosten für bezahlte Werbung einen größeren Teil der Einnahmen von Expedia, was wiederum zu geringeren Gewinnspannen führt. Dies hat auch ein intensiveres Wettbewerbsumfeld geschaffen, in dem Google den Suchverkehr auf konkurrierende Websites lenken kann.

Aus diesen Gründen ist die einheitlichere Website-Strategie von Booking eine bessere Geschäftsstrategie.

Rentabilität

Die entsprechenden Beobachtungen lassen sich auch bei der Rentabilität beider Unternehmen machen. Die Bilanzsumme (Assets) ist im Wesentlichen vergleichbar. Die höhere Profitabilität führt zum viel höheren Return on Assets.

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Beim Return on Equity sieht es ähnlich aus, wobei die EK Quote von Booking Holdings im gesamten Analysezeitraum sogar höher ist als von Expedia. Auffallend ist jedoch die starke sinkende Quote. Ursächlich hierfür sind vor allem Aktienrückkäufe (siehe unten).

Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
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Verschuldung

Beim Thema Verschuldung sah es bis zur Coronakrise für Expedia besser aus. Das Unternehmen hatte eine geringere Verschuldung, nicht nur absolut gesehen, sondern auch relativ im Bezug auf das Eigenkapital. Doch die COVID-19 Krise hat sich das Blatt gewendet und nun steht Booking Holdings deutlich besser da.

Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
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Das Verhältnis von Schulden zum operativen Cashflow bewegt sich auf etwa gleich hohem Niveau. Hier sah es für Expedia etwas besser aus. Wir haben in dieses Diagramm nur die Zahlen bis 2019 berücksichtigt, da im Zuge der COVID-19 Pandemie der Cashflow so gering wurde, bzw. negativ war, dass die Darstellung nicht mehr wirklich sinnvoll war.

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Bei der Zinsdeckung sieht es für Booking Holdings ebenfalls besser aus, wobei in den letzten 12 Monaten (LTM) Expedia etwas besser dasteht, da der Cashflow etwas höher war.

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Im Moment ist die Verschuldung beider Unternehmen historisch gesehen relativ hoch. Allerdings ist die Nettoverschuldung von Booking Holdings sogar negativ, sodass es eigentlich als schuldenfrei gilt. Die Verschuldung von Expedia macht da etwas mehr Kopfschmerzen, da kein entsprechend hoher Liquiditätsbestand vorhanden ist.

Wachstum und Investitionen

Rückblick

Beim Thema Wachstum und Investitionen teilen wir unsere Analyse in zwei Teile auf. Im ersten Teil schauen wir in den Rückspiegel und betrachten das Wachstum in der Vergangenheit.

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Die Jahre 2020 und 2021 verzerren die Wachstumsanalyse sehr stark, da es hier ein auf und ab aus den bekannten Gründen gibt. Deshalb konzentriert sich unser Blick auf den Zeitraum bis 2019.

Den Umsatz konnte Booking Holdings in diesem Zeitraum jährlich um durchschnittlich rund +19,3% steigern, während Expedia „nur“ +16,6% erreicht. Im Zeitraum von 2015 bis 2019 hat allerdings Expedia die Nase vorne und konnte mit +16,0% stärker wachsen als Booking Holdings, da nur +13,0% pro Jahr gewachsen ist. Grund hierfür ist aber auch eine Akquisition von Expedia im Jahr 2016. In diesem Jahr ist auch in der Grafik oben der Umsatzsprung gut zu erkennen (+31,5%).

Umsatz CAGR 2010-2019 CAGR 2015-2019
Booking Holdings+19,3%+13,0%
Expedia+16,6%+16,0%

Ein Blick auf die Wachstumsraten der Gewinne und Cashflows in den Jahren 2015-2019 bestätigen das Bild. Durch die Akquisition kann Expedia hier stärker wachsen als Booking Holdings.

CAGR 2015-2019Operating IncomeNet IncomeOperativer CashflowFree Cashflow
Booking Holdings13,4%17,5%11,0%10,4%
Expedia19,7%-7,3%19,3%29,0%

Für jeden Investor wichtig ist auch zu verstehen, wie viel ein Unternehmen jährlich investieren muss und wie viel Kapital es benötigt. Daher betrachten wir an dieser Stelle die Investitionen als Anteil am Umsatz und das Working Capital.

Value Investoren bevorzugen natürlich Unternehmen, die nicht viel investieren müssen, um zu wachsen. Daher ist ein geringer CAPEX Anteil erstmal besser. In diesem Fall benötigt Booking Holdings deutlich geringere Investitionen als Expedia.

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Beim Working Capital schlagen die unterschiedlichen Geschäftsmodelle zu Grunde. Beide Unternehmen verzeichnen ein negatives Working Capital, was erstmal positiv ist. Das bedeutet, dass die Lieferanten und Kunden das Unternehmen quasi finanzieren.

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Das Working Capital von Expedia ist allerdings deutlich negativer und auch als Anteil am Umsatz viel stärker ausgeprägt als bei Booking Holdings. Das liegt am Merchant Business Modell von Expedia. Da die Kunden die Reise vorab bei Expedia bezahlen verbucht Expedia diese als Verbindlichkeit auf der Passivseite der Bilanz. Die Kunden von Expedia finanzieren das Unternehmen mit den Vorauszahlungen.

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Insgesamt ist festzuhalten, dass Booking Holdings organisch stärker wächst als Expedia. Expedia konnte nur akquisitionsbedingt in 2016 stärker wachsen. Darüber hinaus benötigt Expedia mehr Investitionen als Booking Holdings für den Betrieb des Unternehmens, kommt aber aufgrund des Fokus auf das Merchant Business Model mit weniger Working Capital aus.

Prognose

Ein Blick in die Vergangenheit ist zwar wichtig und hilfreich, aber nicht umsonst wird gesagt, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird. Daher schauen wir nun nach vorne und versuchen die künftige Umsatz- und Ergebnisentwicklung zu prognostizieren.

Auch wenn der Tourismusmarkt in 2022 voraussichtlich noch nicht das Pre-Covid-19-Volumen erreichen wird, gehen wir davon aus, dass Booking Holdings seine Umsätze wieder entsprechend erreichen kann.

Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose

Bei Expedia gehen wir davon aus, dass in 2022 der Umsatz noch nicht ganz das Niveau von 2019 erreichen wird. Das liegt vor allem am geographischen Fokus der beiden Rivalen.

Insgesamt gehen Prognosen davon aus, dass der Reisemarkt langfristig um etwa 10% pro Jahr zulegen wird. Der Markt für Geschäftsreisen soll bis 2018 sogar um ca. 13% pro Jahr zulegen, wobei dieser Markt im Rahmen der COVID-19-Krise stärker eingebrochen ist als der für private Reisen.

Ein wichtiger Faktor für diese Analyse ist zudem, dass man davon ausgeht, dass der Anteil der Online gebuchten Reisen bis Ende des Jahrzehnts auf etwa 74% steigt.

Dividenden und Aktienrückkäufe

Booking Holdings

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Booking Holdings hat bisher keine Dividenden gezahlt. Das Unternehmen hat im Zeitraum von 2015 bis heute Aktienrückkäufe in Höhe von rund 21 Mrd. USD getätigt und damit die Anzahl der ausstehenden Aktien von ca. 48 Mio. auf momentan ca. 41 Mio. verringert.

Expedia

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Expedia hat zuletzt keine Dividende ausgeschüttet. In den Jahren zuvor hatte allerdings das Unternehmen regelmäßig eine Dividende ausgeschüttet. Die letzte wurde im Q1 2020 in Höhe von 0,34 USD ausgezahlt.

Das Unternehmen hat im Zeitraum von 2015 bis heute Aktienrückkäufe in Höhe von rund 3,1 Mrd. USD getätigt.

Wettbewerbsvorteile und Burggraben

Eine wichtige Erkenntnis für jeden Investor muss sein, dass ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil oder Burggraben auch in den Zahlen eines Unternehmens erkennbar sein muss.

Wer heute eine Reise bucht, der landet sehr oft einem Reiseportal um nach Hotels, Flügen oder Mietwagen zu suchen. Das spiegelt sich auch in den Besucherzahlen der Websites Booking.com und Expedia.com wider. Beide Seiten sind in der Rangliste der weltweit meistbesuchten Reisewebsites weit oben. Booking.com ist sogar Platz 1, Expedia „nur“ Platz 5.

Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
Quelle: Similarweb

Auf der Website Wolframalpha können wir sogar geschätzte absolute Besucherzahlen finden. Booking.com wird täglich von 19 Millionen Nutzern besucht und Expedia.com von etwa 5 Millionen. Das sind gewaltige Zahlen, jedoch ist hier auch erkennbar, dass Booking.com deutlich mehr Menschen erreicht, da das Unternehmen und die Website weltweit stärker präsent sind.

Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
Quelle: Wolframalpha

Einer relativ aktuellen Umfrage aus den USA ist zu entnehmen, dass dort bei den beliebtesten Buchungsportalen Expedia.com vor Booking.com rangiert. Auch Hotels.com, dass zur Expedia Group gehört, ist noch vor Booking.com

Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
Quelle: Statista

Dass Expedia augenscheinlich in den USA, einem der wichtigsten Reisemärkte weltweit, beliebter ist zeigen auch die Daten von Google Trends. In weltweiten Vergleich ist Booking.com deutlich vor Expedia.com, doch beim regionalen Vergleich ist zu sehen, dass vor allem in Nordamerika Expedia öfter bei Google eingegeben wird.

Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
Quelle: Google Trends
Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose
Quelle: Google Trends

Beide Unternehmen haben starke Marken im Portfolio mit einer enormen Reichweite. Millionen noch Menschen nutzen die Websites der beiden Unternehmen, um ihre Reisen zu buchen. Beide haben dabei regionale Stärken, bzw. Schwächen. Diese Reichweite resultiert bei Booking Holdings jedoch viel stärker in einen Burggraben als bei Expedia.

Wie schon weiter oben erläutert ist vor allem der Hotelmarkt außerhalb Nordamerikas viel stärker fragmentiert und „unterentwickelt“, sodass Booking.com dort höhere Gebühren durchsetzen kann. In den USA, das von vielen großen Hotelketten beherrscht wird, kann Expedia diese enorme Reichweite nicht in zusätzliche Marge ummünzen. Beide „Burggräben“ führen auf jeden Fall dazu, dass das Gross Booking Volume beider Unternehmen sehr hoch ist.

Bewertung der Booking Holdings Aktie und Expedia Aktie

Basierend auf den neuen Erkenntnissen haben wir unser DCF Modell angepasst. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf unser Baseline Szenario. Das ist das mittlere Ergebnis aus 25 verschiedenen Szenarien, das von diesen die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit.

Booking Holdings Fair Value

Den Wachstumsfaktor für den Terminal Value haben wir auf 2,21% gesetzt. Der WACC beträgt für unsere Berechnungen 7,817%.

Wir gehen von einem Umsatz in 2022 von 15,69 Mrd. USD aus, der bis 2025 auf 22,38 Mrd. USD steigen wird. Für 2022 schätzen wir nun Owners Earnings i.H.v. 5,23 Mrd. USD und für 2025 i.H.v. 6,77 Mrd. USD.

Basierend auf unseren Annahmen und Schätzungen haben wir einen Fair Value in Höhe von 2.578 USD je Aktie ermittelt. Beim momentanen Aktienkurs von ca. 2.450 EUR ergibt sich eine Sicherheitsmarge von 105%. Das bedeutet, dass die Aktie zurzeit eher fair bewertet ist.

Wir schätzen zudem, dass der Fair Value der Aktie in 2 Jahren bei ca. 2.977 USD liegen wird.

Expedia Fair Value

Den Wachstumsfaktor für den Terminal Value haben wir auf 2,21% gesetzt. Der WACC beträgt für unsere Berechnungen 7,675%.

Wir gehen von einem Umsatz in 2022 von 11,66 Mrd. USD aus, der bis 2025 auf 16,14 Mrd. USD steigen wird. Für 2022 schätzen wir nun Owners Earnings i.H.v. 2,59 Mrd. USD und für 2025 i.H.v. 1,48 Mrd. USD.

Basierend auf unseren Annahmen und Schätzungen haben wir einen Fair Value in Höhe von 113 USD je Aktie ermittelt. Beim momentanen Aktienkurs von ca. 184 EUR ergibt sich eine Sicherheitsmarge von 61%. Das bedeutet, dass die Aktie zurzeit überbewertet ist.

Wir schätzen zudem, dass der Fair Value der Aktie in 2 Jahren bei ca. 128 USD liegen wird.

Hinweis: Die Margin of Safety wird wie folgt berechnet: Fair Value / Aktienkurs. Ist die Margin of Safety kleiner als 100% so ist von einer Überbewertung der Aktie auszugehen. Ist die Margin of Safety dagegen größer als 100%, kann von einer Unterbewertung der Aktie gesprochen werden.

Zusammenfassung und Fazit zur Booking Holdings Aktie und Expedia Aktie

An dieser Stelle fassen wir zunächst die Kernaussagen unserer Analyse zusammen:

Booking Holdings Aktie

  • Das Unternehmen ist sehr profitabel und rentabel
  • Die Verschuldung ist relativ gering
  • Gute Wachstumsaussichten
  • Starker Burggraben durch gute Markenstrategie und regionalen Fokus führt zu hohem Gross Booking Volume und hoher Marge
  • Aktie ist eher fair bewertet
Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose

Expedia Group Aktie

  • Profitabilität und Rentabilität nur mittelmäßig
  • Verschuldung ist in Ordnung
  • Wachstumsaussichten sind ok
  • Die Reichweite der Reiseportale führt zwar zu einem Burggraben, dieser ist aber nicht so stark wie beim Konkurrenten. Gross Booking Volume ist zwar hoch, aber Marge nicht.
  • Sehr fragmentierte Markenstrategie führt zu Nachteilen im Vergleich zu Booking Holdings (z.B. höhere Investitionsausgaben, mehr Werbung)
Booking Holdings Expedia Group Aktie Aktienanalyse Fundamentale Analyse DCF Fair Value Dividende 2021 2022 Kennzahlen Prognose

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass im direkten Vergleich unserer Meinung nach die Booking Holdings Aktie das bessere Investment darstellt als die Expedia Aktie. In allen fundamentalen Analysekategorien hat Booking Holdings besser abgeschnitten und auch die Zukunftsperspektive ist besser. Ein potenzieller Investor sollte jedoch unbedingt die Entwicklung der Revenue Margin und der Gross Bookings im Auge behalten.

Vielen Dank für ihr Interesse und fürs Lesen!

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Die Aktien-Watchlist enthält unsere aktuell gültigen Fair Values und wird wöchentlich auf Basis der Schlusskurse des Freitags aktualisiert, um mögliche Unterbewertungen zu identifizieren. In der Regel sind auch schon Aktien enthalten, für die die Analyse noch nicht veröffentlicht wurde. Sie wird Montagmorgen an die Newsletterabonnenten verschickt.

Bitte beachten Sie unsere rechtlichen Hinweise zur Aktienanalyse.

Die Analyse stellt keine Anlagenberatung dar oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der Aktie. Der Autor ist in Booking Holdings investiert.

Quelle Beitragsbild und Fotos: CANVA, Pixabay, Pressefotos Website