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Analyse Update H&M Aktie 2023

Vorwort

Im Juli 2022 haben wir unsere ausführliche Analyse zur Aktie von H&M, dem schwedischen Modeunternehmen, veröffentlicht. Nun sind die Zahlen für das Geschäftsjahr 2022 da und wir schauen kritisch auf die Entwicklung und aktualisieren unsereren ermittelten Fair Value.

Geschäftsentwicklung 2022

Das Geschäftsjahr von H&M endete zum 30.11.2022 und letzte Woche wurden die Zahlen veröffentlicht. Wie zu erwarten war das Jahr sehr schwierig. Gestiegene Kosten für Waren und Frachtkosten und dazu noch der starke USD haben die Gross Margin, die operative Marge und letztendlich auch das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr deutlich belastet.

„The hikes in raw materials and freight costs, combined with a historically strong U.S. dollar led to substantial cost increases for purchases of goods. We have increased prices, but rather than passing on the full increase to our customers, we chose to strengthen our market position further.“

Helena Helmersson – CEO H&M im Q4 Earningscall

H&M hat sich nach eigenen Angaben entschieden, die gestiegenen Kosten nicht in vollem Umfang an die Kunden weiterzugeben, sondern sich auf die Stärkung der Marktposition zu konzentrieren. Diese Aussage kann unseres Erachtens auch kritisch interpretiert werden. Sie könnte auch so interpretiert werden, dass die Preissetzungsmacht einfach geringer ist als erhofft und der Wettbewerb auf dem Markt zu stark ist.

Die gestiegenen Kosten haben auch dazu geführt, dass H&M von „Nicht-Mitgliedern“ des H&M-Clubs eine Gebühr für Rücksendungen verlangt. Die Idee dahinter ist jedoch, dass die Kunden Mitglieder des Mitgliederprogramms werden. Die letzte Information, die wir gefunden haben, spricht von mehr als 150 Millionen Mitgliedern.

Aktienanalyse H&M Hennes & Mauritz Aktie Fair Value Update Prognose 2023
Auszug Full Year Report

Zwar ist der Umsatz mit +12,4% noch recht deutlich gestiegen, aber Kostensteigerungen und die Aufgabe der Aktivitäten in Russland und Weißrussland haben zu einem Rückgang der operativen Marge auf 3,2% und der Nettomarge auf 1,6% geführt. Im 4. Quartal war das Ergebnis sogar negativ.

Der Free Cashflow betrug im Jahr 2022 22,3 Mrd. SEK, was einer FCF Marge von 11,9% entspricht.

Aktienanalyse H&M Hennes & Mauritz Aktie Fair Value Update Prognose 2023
Auszug Full Year Report

H&M setzt die Bereinigung seines Filialnetzes fort. Während in neuen Märkten neue Filialen eröffnet werden, werden insbesondere in etablierten Märkten auch zahlreiche unrentable Filialen geschlossen. Zum 30. November 2022 betrieb der H&M-Konzern 4.465 eigene Einzelhandelsgeschäfte. Im Laufe des Geschäftsjahres wurden 91 neue Geschäfte eröffnet und 427 geschlossen. Davon wurden 175 in Russland und Weißrussland geschlossen.

Investmentthese und Fair Value

Mitte des Jahres hatten wir unsere ausführliche Aktienanalyse zu H&M veröffentlicht und bereits darin die sehr ambitionierten Wachstumsziele des Unternehmens kritisiert.

„Our long-term 2030 goals remain in place, including a double-digit operating margin for full year 2024. To achieve these goals, we are focusing on 3 growth areas.“

Helena Helmersson – CEO H&M im Q4 Earningscall

CEO Helmersson bestätigt im Call zwar, dass die Ziele (Verdoppelung des Umsatzes bis 2030 im Vergleich zu 2021 und eine konstante EBIT-Marge von 10%+) bestehen bleiben, wir gehen aber nicht davon aus, dass insbesondere das Umsatzziel erreicht wird. Auch die ersten Indikationen für das erste Quartal 2023 bestätigen, dass das Wachstum vorerst hinter den Erwartungen des Managements zurückbleibt, auch wenn der CEO von einer „strong sales development“ spricht.

„The new financial year has started well with strong sales development during the holidays. Sales development between the 1st of December and 25 of January increased by 5% in local currencies compared with the same period last year. Excluding Russia, Belarus and Ukraine, the increase was 9%.“

Helena Helmersson – CEO H&M im Q4 Earningscall

Für das neue Geschäftsjahr ist zumindest eine Verbesserung der Rentabilität zu erwarten. Nach Aussagen des Managements sind die Einkaufskosten bereits etwas niedriger als im Vorjahr und die hohen Einmalaufwendungen für den Marktaustritt in Russland und Weißrussland werden entfallen.

„Purchasing costs are already lower for the orders being placed now compared with the same time last year.“

Helena Helmersson – CEO H&M im Q4 Earningscall

Für das abgelaufene Geschäftsjahr möchte H&M, wie im Vorjahr, eine Dividende von 6,50 SEK an seine Aktionäre ausschütten. Somit ist das Vorcorona Nivenau (9,75 SEK) noch nicht erreicht. Die Dividendenrendite liegt somit bei ca. 5,2%.

„The board of directors is proposing an ordinary dividend of SEK 6.50 per share to the annual general meeting to be paid in two instalments.“

Pressemitteilung Full Year Results

Die fundamentalen Kennzahlen von H&M sind sehr gemischt. Die Free Cash Flow Marge ist noch relativ gut, aber insgesamt sind die Rentabilität und Profitabilität eher durchschnittlich. Immerhin ist die Verschuldung sehr niedrig. Die Nettoverschuldung ist sogar negativ.

Aktienanalyse H&M Hennes & Mauritz Aktie Fair Value Update Prognose 2023
Fundamentale Kennzahlen von H&M – eigene Berechnungen

Auf Basis der neu verfügbaren Informationen und unter Berücksichtigung der Entwicklungen seit der letzten Ermittlung des fairen Wertes der H&M-Aktie haben wir nun einen fairen Wert von ca. 213 SEK (19 EUR) je Aktie ermittelt. Damit ist die Aktie derzeit unterbewertet.

H&M ist eine sehr beliebte Modemarke und hat mit dem H&M Club, dem Mitgliedsprogramm von H&M, einen sehr großen Kundenstamm mit vielen Daten und Informationen. Das bietet viel Potenzial. Die Bewertung der Aktie ist sehr attraktiv, aber wir glauben, dass die Strategie des Managements immer noch zu sehr auf Wachstum und zu wenig auf Profitabilität und Rentabilität ausgerichtet ist.

grafik 22
H&M Aktie bei Google Finanzen

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Die Analyse stellt keine Anlagenberatung dar oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der Aktie. Der Autor ist in die Aktie nicht investiert.

Quelle Beitragsbild: CANVA, Pixabay, TIKR, Unternehmenswebsite, Titelbild: H&M Presse Website

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Analyse Kroger Aktie 2023

Vorwort

Am 14. Oktober diesen Jahres haben Kroger und Albertsons einen Merger verkündet. Zwei der größten Lebensmittelhändler der USA wollen verschmelzen, wobei zwar von einem „Merger“ (Verschmelzung) gesprochen wird, aber faktisch will Kroger Albertsons übernehmen. In diesem Beitrag wollen wir einen Blick auf Kroger und Albertsons werfen und herausfinden, was ein Merger für Auswirkungen hätte.

Die Situation vor dem Merger

Zunächst ein Blick auf den Erwerber Kroger. The Kroger Inc. ist ein Lebensmittelhändler, der verschiedene Supermarktketten in den USA betreibt. Zum 29.01.2022 hatte Kroger insgesamt 2.726 Filialen. Davon haben 2.252 eine Apotheke und 1.613 eine Tankstelle.

Kroger bietet seinen Kunden ein Treueprogramm an, dass insgesamt etwa 60 Mio. Mitglieder hat. Die Loyalty Card wurde bei 96% aller Transaktionen eingesetzt.

Darüber hinaus hat Kroger ein großes Angebot an Eigenmarken und stellt rund 30 % seiner Produkte in 33 eigenen Produktionsstätten her.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Kroger KPI – Eigene Berechnungen

Albertsons Companies, Inc. ist ebenfalls einer der größten US Lebensmittelhändler. Zum Ende des Geschäftsjahres hatte Albertsons unter verschiedenen Bannern 2.276 Filialen. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen 1.722 Apotheken, 1.370 In-Store Coffee Shops und 402 Tankstellen.

Ebenfalls hat Albertsons ein großes Angebot an Eigenmarken. Etwa 10% dieser werden in 20 hauseigenen Produktionsstätten hergestellt.

Wie Kroger hat Albertsons auch ein Loyalty Programm, mit ca. 30 Mio. Mitgliedern.

Albertsons ist erst seit Mitte 2020 an der Börse.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Albertsons KPI – Eigene Berechnungen

Anhand der Umsatzerlöse ist zu sehen, dass Kroger deutlich größer ist als Albertsons, wobei Albertsons mit fast 70 Mrd. USD Umsatz im letzten Geschäftsjahr auch ein sehr großer Spieler auf dem Lebensmittelmarkt in den USA ist.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Vergleich Umsatzerlöse von Kroger und Albertsons – Quelle: TIKR.com

Was die Rentabilität und Profitabilität angeht ist Kroger stärker als Albertsons.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose

Auch operationell ist Kroger, zumindest anhand einiger Kennzahlen, Albertsons überlegen. Der Cash Conversion Cycle ist deutlich kürzer und der Inventory Turnover deutlich höher. Das spricht für besseres Working Capital Management bei Kroger.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose

Auch die Verschuldung von Kroger ist geringer als bei Albertsons, wobei Albertsons diese in den vergangenen Jahren verhältnismäßig reduzieren konnte.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose

Wie sieht das Merger Agreement aus?

Die Vereinbarung sieht vor, dass Kroger 34,10 USD je Aktie zahlen wird. In Summe ergibt sich somit ein Kaufpreis von 24,6 Mrd. USD, inkl. der 4,7 Nettoschulden von Albertsons. Im gleichen Zuge wird Albertsons eine „Sonderdividende“ in Höhe von ca. 6,85 USD je Aktie ausschütten, was etwa 4 Mrd. USD entspricht. Der Kaufpreis wird im Wesentlichen mit neuen Schulden durch Kroger finanziert. Aktienrückkäufe sind erstmal eingestellt worden.

Um die Wettbewerbshüter in den USA, die FTC, zu besänftigen und den Deal überhaupt durchzukriegen wird Albertsons ein Spinoff gründen, das diverse Märkte von Albertsons übernehmen wird. Je nachdem wie hart die Verhandlungen mit der FTC werden, wird bisher angenommen, dass es zwischen 100 und 375 Märkte betreffen kann. Die Veräußerung potenzieller Märkte würde den Kaufpreis entsprechend reduzieren.

Sollte der Deal aufgrund einer Entscheidung der FTC doch nicht Zustandekommen ist Kroger dazu verpflichtet 600 Mio. USD an Albertsons zu zahlen.

Im Anschluss an den Zusammenschluss würden der bisherige CEO und CFO von Kroger das Unternehmen führen.

Wie sieht Kroger nach dem Merger aus?

Nach einem erfolgreichen Merger, der Anfang 2024 umgesetzt werden soll, wäre Kroger die Nummer zwei auf dem Lebensmittelmarkt mit fast 5.000 Filialen in den USA. Die Kundenreichweite wird auf 85 Millionen Haushalte geschätzt. Das Unternehmen hätte dann etwa 710.000 Mitarbeiter.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Auszug Investorenpräsentation

Besonders wichtig für den Erfolg sind die Eigenmarken, bei denen Kroger sehr stark ist. Das gemeinsame Eigenmarkenportolio wäre für einen Umsatz von ca. 43 Mrd. USD verantwortlich. Das kombinierte Unternehmen hätte 52 hauseigene Produktionsstätten.

Um eine kombinierte Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Kapitalflussrechnung zu erstellen müsste man natürlich genau wissen, wie viel von Albertsons letztendlich übernommen werden kann. Unseren Berechnungen nach wird der Umsatz des kombinierten Unternehmens über 200 Mrd. USD liegen.

LTM Werte in Mrd. USDKrogerAlbertsonsKroger + 100% AlbertsonsKroger + 80% Albertsons
Umsatz146,575,3221,3206,7
Nettoergebnis2,41,74,13,8
Op. Cashflow4,73,07,77,1
Free Cashflow1,91,23,12,9
LTM Zahlen (Quelle TIKR.com) von Kroger und Albertsons

Da der Erwerb vor allem durch die Neuaufnahme von Schulden finanziert wird, wird diese in Folge der Transaktion erstmal deutlich ansteigen. Man steht jedoch im engen Kontakt mit Rating Agenturen und möchte die Verschuldung relativ schnell wieder reduzieren.

„In terms of financing, Kroger has $17.4 billion of committed bridge financing in place from Citi and Wells Fargo. At closing, we plan to fund the transaction using a combination of cash on hand and proceeds from new debt financing. We have had productive conversations with the rating agencies and are strongly committed to our current investment-grade credit rating. To prioritize deleveraging post closing, we have already paused our share repurchase program and expect to achieve our net leverage target of 2.5x EBITDA in the first 18 to 24 months post close.“

Gary Millerchip, CFO von Kroger beim M&A Call

Insgesamt muss jedoch auch gesagt werden, dass Kroger in vorliegen Fall mit Albertsons einen schlechter laufenden Konkurrenten übernehmen würde, der auch die KPI’s von Kroger nach „unten“ ziehen wird.

Was bedeutet der Merger für den U.S. Lebensmittelmarkt?

Kroger und Albertsons gehören zu den größten Lebensmittelhändlern der USA. Kroger hatte zuletzt einen Marktanteil von ca. 7,3% und Albertsons von 4,5% und sind damit die Nummer 2 und 5 der USA. Gemeinsam würden sie auf ca. 11,8% Marktanteil kommen und wären damit immer noch hinter dem Marktführer Walmart, der 17,1% Marktanteil aufweisen kann.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Auszug Investorenpräsentation

In bestimmten Regionen können diese Zahlen natürlich wieder auch anders aussehen. Kroger ist besonders stark in Osten der USA und einigen Ballungsräumen im Westen stark vertreten. Albertsons dagegen ist eher im Westen und im äußersten Nordosten der USA präsent.

„We believe a combination with Albertsons makes sense for Kroger at every level. This transaction is compelling because we will bring together 2 highly complementary footprints. Albertsons operates in several areas where Kroger does not have stores or has a very limited presence. By combining with Albertsons, we’ll greatly expand our national footprint to serve more customers across a combined 48 states and the District of Columbia.“

Rodney McMullon, CEO von Kroger beim M&A Call

Gibt es Kritik am Merger?

Der Merger wird besonders in der amerikanischen Politik sehr kritisch gesehen. Wenn zwei große Konkurrenten verschmelzen, gibt es immer die Sorge, dass der Wettbewerb darunter leidet. Die amerikanischen Wettbewerbshütern, die FTC hat inzwischen schon zwei Anfragen für zusätzliche Informationen bei Kroger eingereicht. Außerdem wurden die CEO’s von Kroger und Albertsons schon vom Senat Ende November „gegrillt“.

Besonderes viel Kritik hat die Sonderdividende verursacht, die Albertsons an ihre Aktionäre im Vorfeld des Mergers ausschütten will. Die Auszahlung wurde gerichtlich unterbunden und ist bis zu einer gerichtlichen Anhörung am 7. Februar 2023 auf Eis gelegt. Grund hierfür ist unter anderem die Tatsache, dass sich Albertsons dafür Geld leihen müsste, um die Auszahlung vornehmen zu können und sich somit weiter verschulden müsste.

Im Fokus ist dabei auch der größte Anteilseigner von Albertsons, die Private Equity Gesellschaft Ceberus Captial Management, die rund 29% der Anteile hält. Hier wird besonders Kritik daran geübt, dass das Private Equity Unternehmen noch vor dem Merger mit der Dividendenauszahlung Kasse machen will.

Auch das Spinoff wird sehr kritisch gesehen, da es eventuell nicht überlebensfähig sein könnte und letztendlich liquidiert wird und vielleicht sogar wieder Filialen verkaufen muss. So ähnlich war es schon passiert, als Albertsons den Lebensmittelhändler Safeway übernommen hatte. Damals hatte die eher unbekannte Kette Haggan, die selbst nur 18 Filialen betrieben hatte, rund 146 Filialen übernommen, die aus dem Merger ausgenommen waren. Damit hatte sich das Unternehmen total übernommen und ist Pleite gegangen. Letztendlich hatte dann Albertsons doch noch einige Filialen übernommen, die eigentlich von der FTC im Vorfeld aus dem Deal herausgenommen wurden.

Der Investmentcase für Kroger

Wir glauben, dass ein Zusammenschluss der beiden größten reinen Lebensmittelhändler in den USA einige Größenvorteile (und damit verbundene Kosten- und Einkaufsvorteile) schaffen würde, die dabei helfen würden, sich gegen Walmart und Amazon im Wettbewerb stärker zu behaupten. Gleichzeitig liegt jedoch die Vermutung nahe, dass Überschneidungen im Filialnetz der beiden Ketten in vielen Märkten dazu führen könnten, dass die Regulierungsbehörden die Transaktion genau unter die Lupe nehmen.

Wir schätzen ein, dass lokale Marktgröße, Kostenvorteile, eigene Markenportfolios und aus Kundenbindungsprogrammen generierte Daten den Lebensmittelhändlern helfen können, sich in dieser wettbewerbsintensiven Branche gegen ihre Konkurrenten durchzusetzen.

Nach unseren Recherchen denken wird, dass Kroger anderen reinen Lebensmittelhändlern im Vorteil ist, da das Unternehmen in den Bereichen Analytik, Eigenmarken und Omnichannel-Präsenz besser aufgestellt ist, während Albertsons an allen Fronten einen Schritt zurückliegt. Ob Kroger seine Vorteile auf Albertsons ausdehnen kann, hängt in hohem Maße davon ab, inwieweit die Regulierungsbehörden Veräußerungen in bestimmten Märkten erzwingen, da beide Unternehmen in vielen Regionen Rivalen sind.

Bei jeder Übernahme gibt es allerdings das Risiko, dass die Integration des übernommenen Unternehmens nicht reibungslos verläuft und deutlich mehr kostet als ursprünglich gedacht und Synergien nicht so stark gehoben werden können wie gehofft. Auch bei Kroger und Albertsons kann dies der Fall sein.

Fair Value der Kroger Aktie

Es gibt rund um den Zusammenschluss von Kroger und Albertsons noch sehr viele Unsicherheiten. Das macht es sehr schwer einen Fair Value für dein kombiniertes Unternehmen zu ermitteln. Erst recht ist es kaum möglich ein vernünftiges DCF Modell aufzustellen.

KrogerAlbertsons
Aktuelles KGV11,197,32
Aktuelles KBV3,302,57
3Y Average KGV12,86
5Y Average KGV12,62
10Y Average KGV13,75
3Y Average KBV3,19
5Y Average KBV3,09
10Y Average KBV3,97
Dividendenrendite aktuell2,05%2,27%
Dividendenrendite 3Y1,85%
Dividendenrendite 5Y1,91%
Dividendenrendite 10Y1,65%
Bewertungskennzahlen Kroger und Albertsons (Quelle: TIKR.com)

Anhand der Bewertungskennzahlen lässt sich abschätzen, dass die Kroger Aktie im historischen Vergleich leicht unterbewertet ist. Bemerkenswert ist, dass Albertsons deutlich niedriger bewertet ist.

Für die Standalone Aktie von Kroger haben wir ein DCF Modell gerechnet und kommen zu dem Schluss, dass die Aktie zurzeit bei einem Preis von ca. 46 USD unterbewertet ist. Der Fair Value liegt unseren Berechnungen nach bei etwa 57 USD je Aktie, was einer Sicherheitsmarge von 124% entspricht.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Fair Value der Kroger Aktie ohne Albertsons (Eigene Berechnung mittels DCF Verfahren

Unsere Meinung und Fazit

Kroger ist ein sehr solides Unternehmen und ohne den Merger unserer Einschätzung nach ein sehr attraktive Investitionsmöglichkeit. Das Risiko ist trotz des wettbewerbsintensiven Geschäfts relativ gering, die Aktie ist eher unterbewertet und Kroger zahlt zudem eine sehr ansehnliche Dividende.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose

Der potenzielle Zusammenschluss von Kroger und Albertsons bietet Vor- und Nachteile. Zunächst ist im Moment noch sehr unsicher, wie ein kombiniertes Unternehmen letztendlich aussehen wird. Es gibt noch viele Unsicherheitsfaktoren, insbesondere was die Regulierungsbehörde FTC angeht. Die Anzahl der erforderlichen Marktverkäufe kann sehr großen Einfluss auf die ganze Transaktion haben.

Die Transaktion selbst ist aufgrund der Sonderdividende sehr skeptisch zu betrachten. Es steht zwar fest, dass der CEO und CFO von Kroger im Anschluss an einem erfolgreichen Merger das Unternehmen leiten, doch wie dann der Einfluss des Private Equity Unternehmens Ceberus aussieht, ist für uns noch offen. Wir würden uns wünschen, dass diese so wenig Einfluss wie möglich haben. Das „Ausquetschen“ von Albertsons, in dem eine viel zu hohe Dividende, durch Schulden finanziert, ausgezahlt werden soll, sehen auch wir sehr kritisch und ist sehr wenig langfristig und unternehmerisch durchdacht.

Weiterhin besteht das reale Risiko, dass erhoffte Synergien doch nicht gehoben werden können und die Integration zu einem viel zu teuren Unterfangen wird. Kroger wird viel Geld in Albertsons investieren müssen. Wie oben schon zu sehen war ist deutlich erkennbar, dass Albertsons bei Rentabilität, Profitabilität und operationelle Fähigkeiten, das schlechtere Unternehmen ist und Krogers Kennzahlen zunächst verschlechtern wird.

Daneben gibt es allerdings auch viele Chancen, die ein Merger bieten kann. Die Marktanteile werden deutlich steigen und auch die Wettbewerbsfähigkeit von Kroger.

Der Aktienkurs von Kroger hat sich im Jahresverlauf gut behauptet und ist leicht im Plus. Albertsons ist dagegen, auch in Folge der Bekanntgabe der Transaktion, deutlich gesunken. Dass die Aktie von Albertsons nicht zum Kaufpreis abzgl. Dividende gehandelt wird (ca. 28 USD) macht auch deutlich, wie hoch die Unsicherheit am Markt bezüglich dieser Transaktion ist.

Aktienanalyse Kroger Aktie Albertsons Merger Fair Value Fundamentale Analyse Kennzahlen 2023 Prognose
Kroger Aktie bei Google Finanzen

Wenn es weitere Details zum Merger gibt und genauer absehbar wird, wie viel von Albertsons wirklich übernommen werden darf, werden wir wieder ein Update zur Kroger Aktie veröffentlichen.

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Die Analyse stellt keine Anlagenberatung dar oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der Aktie. Der Autor ist in Kroger investiert.

Quelle Beitragsbild: CANVA, Pixabay, TIKR, Unternehmenswebsite, Titelbild: Wikimedia Commons

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Analyse U.S. Bank Aktien 2023

Vorwort

In diesem Beitrag wollen wir auf die Entwicklung verschiedener Banken aus Übersee schauen und den von uns ermittelten Fair Value aktualisieren. Wir schauen auf die Bank of America, JPMorgan Chase, Wells Fargo und Citigroup.

Kurzüberblick

Bank of AmericaJP Morgan ChaseWells FargoCitigroup
Marktwert298 Mrd. USD393 Mrd. USD177 Mrd. USD94 Mrd. USD
Umsatz LTM91,5 Mrd. USD120,6 Mrd. USD75,1 Mrd. USD70,7 Mrd. USD
Net Income LTM27,4 Mrd. USD37,9 Mrd. USD16,0 Mrd. USD15,5 Mrd. USD
ROE LTM10,1%12,8%9,0%7,9%
Tier 1 Ratio12,8%14,1%11,9%13,4%
Total Assets3.973 Mrd. USD3.774 Mrd. USD1.878 Mrd. USD2.381 Mrd. USD
Mitarbeiter208.000270.000249.435223.400
Anteil US Geschäft am Umsatz87,5%76,2%100%47,6%
Anzahl Filialen4.2004.7904.7772.154
Stand 26.11.2022

Kurzvorstellung der Banken

Die von uns in diesem Beitrag analysierten vier Banken gehören nicht nur zu den größten Banken der USA, sondern auch der Welt. Oberflächlich betrachtet sind es einfach Banken, doch jedoch hat ihre Eigenheiten und Spezifika.

JPMorgan Chase ist die dominante Bank und ist gemessen am Umsatz die größte Bank der USA. Die Bank gilt als Vorzeigebank mit starken Risikomanagement, weit fortgeschrittener Digitalisierung und weltweiter Präsenz. Besonders stark ist JPMorgan auch im Investment Banking und Kapitalmarktgeschäft.

Die Bank of America ist die zweitgrößte Bank der USA und sehr stark im Konsumentengeschäft und im Geschäft mit kleinen Unternehmen. Das Unternehmen hatte aufgrund einiger Akquisitionen große Probleme diese erfolgreich zu integrieren und Altlasten loszuwerden. Dazu gehört unter anderem die Investment Bank Merrill Lynch. Seit einiger Zeit sind diese Herausforderungen überwunden und die Bank of America kann sich nun auf Wachstum konzentrieren und macht dabei gute Fortschritte. Auch Warren Buffett ist begeistert von der Aktie, schließlich beträgt sein Anteil rund 12,6% und hat einen Wert von ca. 38 Mrd. USD.

Wells Fargo befindet sich in einem Umbau, der wohl noch viele Jahre dauern wird. Das Unternehmen hatte und hat eigentlich immer noch so große Probleme, dass die FED sogar die Höhe der Assets, die Wells Fargo halten darf, beschränkt. Das hat enorme Auswirkungen auf den Betrieb. In der Vergangenheit gab es dazu zahlreiche schlechte Nachrichten. Dennoch scheinen viele an einen Turnaround zu glauben. Rund 80% der Aktien werden von institutionellen Investoren gehalten. Trotz aller Schwierigkeiten gehört Wells Fargo zu den größten Banken der USA und ist besonders im Privatkundengeschäft stark.

Die Citigroup unterscheidet sich von anderen drei Banken vor allem darin, dass der Anteil am internationalen Geschäft deutlich höher ist. Sie ist global aufgestellt. Die Stärken liegen vor allem im Unternehmenskunden- und Kapitalmarktgeschäft. Stärker in den Fokus kam die Aktie als kürzlich Berkshire Hathaway einen Anteil von 2,85% im Wert von rund 2,6 Mrd. USD öffentlich machte. Zuletzt war die Citigroup negativ in den Schlagzeilen, als die FED Zweifel daran äußerte, ob das Unternehmen in schwierigen Zeiten adäquate Bilanzen aufstellen kann.

Aktuelle Entwicklung und fundamentale Kennzahlen

Zuerst werfen wir einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen. Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen weltweit, die zu steigender Inflation und steigenden Leitzinsen führen, kann man zumindest einen gewissen Trend bei allen Banken erwarten:

  • Steigende Zinsen führen zu höheren Zinserträgen und Zinsaufwendungen (Net Interest Income).
  • Gleichzeitig wird die Wirtschaftet geschwächt, was zu höherer Arbeitslosigkeit führt und zu einem Anstieg der Unternehmen, die Zahlungsschwierigkeiten bekommen könnten. Das führt zu einer Erhöhung der Kreditrisikovorsorge.
  • Aufgrund sinkender Kurse, hoher Volatilität und letztendlich geringerem Interesse an Investitionen und mehr Risikoscheu gibt es weniger IPOs, Anleiheemissionen und Akquisitionen und Devestitionen (M&A Aktivitäten). Das führt zu sinkenden Einnahmen im Investment Banking (Noninterest Income). Gegenläufig bietet die hohe Volatilität auch Chancen im Kapitalmarktgeschäft und Trading.

Im nächsten Schritt schauen wir wie sich diese Erwartungen nun in der tatsächlichen Entwicklung der vier Banken widerspiegeln.

Entwicklung des Net Interest Income

Das Net Interest Income ist die Differenz zwischen Zinserträgen und Zinsaufwendungen. Für aufgenommene Kredite und Bankguthaben der Kunden müssen die Banken Zinsen zahlen und für vergebene Kredite logischerweise Zinsen einnehmen.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Um die Entwicklung deutlich zu machen haben wir drei verschiedene Grafiken ausgesucht. In der ersten ist deutlich erkennbar, dass das Net Interest Income der Banken in den letzten vier Quartalen in absoluten Zahlen deutlich gestiegen ist.

Den Anstieg YoY kann man in der folgenden Grafik sehr gut erkennen. Besonders stark ist der Anstieg bei Wells Fargo und JPMorgan Chase. Bei der Bank of America war der Anstieg dagegen schon zu einem früheren Zeitpunkt stärker.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Das Net Interest Income im Verhältnis zum durchschnittlichen Vermögen gibt an, wie hoch die Verzinsung der Assets ist (Jedoch nicht verwechseln mit einer Renditekennzahl). Besonders bei Wells Fargo ist auffällig, dass der Anstieg mit Abstand am höchsten ist. Doch auch die anderen Banken verzeichnen einen Anstieg.

Somit ist weiterhin zu erwarten, dass durch weitere Zinsschritte das Net Interest Income der vier Banken weiterhin ansteigen wird.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Entwicklung des Noninterest Income

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Die Entwicklung dieser Position ist zurzeit volatil. Sie besteht aus verschiedenen Komponenten, die sich aufgrund der momentanen Gegebenheiten unterschiedlich entwickeln. Während die Erträge im Asset Management und Investment Banking sinken, steigen diese bei den Kreditkarten- und Handelsgebühren. JPMorgan Chase ist hier die unangefochtene Nummer 1, Bank of America folgt mit Abstand dahinter. Wells Fargo und Citigroup teilen sich Platz 3 und 4.

Die wirtschaftliche Situation wird weiterhin Druck, besonders auf die Gebühren im Investment Banking ausüben. Auch das Asset Management wird noch einige Zeit „leiden“ müssen. Andere Bereiche wie Brokerage, Trading und Market Making können dagegen von hoher Volatilität an den Märkten profitieren.

Die in den USA besonders beliebte Kreditkarte, die auch in schlechten Zeiten den Amerikanern finanziellen Spielraum lässt, sorgt für relativ konstante Kreditkartengebühren und durch die erhöhte Nutzung auch zu höheren Zinseinnahmen.

Entwicklung der Kreditrisikovorsorge

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Provision for loan losses: Diese Position stellt dar, ob die Vorsorge für Kreditrisiken erhöht oder reduziert wurde. Ein positiver Wert steht für eine Erhöhung und stellt Aufwand dar und ein negativer Wert eine Reduzierung und folglich Ertrag dar. In der ersten Grafik ist deutlich zu erkennen, dass die Vorsorge im Zuge der hohen Unsicherheiten während der COVID-19 Krise stark erhöht wurde. In 2021 wurde einiges davon wieder aufgelöst und seit Anfang 2022 werden diese wieder erhöht. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen macht das auch Sinn.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Dennoch ist im Allgemeinen zu sagen, dass das Verhältnis von Vorsorge zum Gesamtbetrag der Darlehen auf eher niedrigem Niveau ist. Anhand der Darstellung in der zweiten Grafik, die das Verhältnis von Kreditrisikovorsorge zum Gesamtbetrag der ausgegebenen Darlehen zeigt, ist zu erkennen, dass diese zu Zeiten von COVID-19 bei allen vier Banken deutlich höher war.

Was stark auffällt ist, dass die Citigroup anscheinend den höchsten Bedarf für Vorsorge hat und das mit Abstand. Das spricht für eine durchaus schlechtere Kreditqualität.

Und auch bei den Abschreibungen auf ausgefallene Kredite ist die Citigroup trauriger Spitzenreiter. Auch wenn der relative Wert erstmal mit 0,54% gering ausfällt, ist dies im Vergleich zu den anderen drei Banken auffällig.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Höhere Risiken sollten entsprechend auch mit höheren Zinserträgen einhergehen. In der Grafik, die das Net Interest Income darstellt, ist zu sehen, dass die Citigroup auch höhere Zinsen als die Bank of America und JPMorgan Chase berechnet. Auffällig ist jedoch vor allem, dass Wells Fargo die höchsten Zinsen erhält, obwohl das Kreditausfallrisiko des Portfolios scheinbar relativ gering ist.

Entwicklung des Ergebnisses und der Rentabilität

Letztendlich sind die Rentabilität und Profitabilität der Bank am wichtigsten. Die absoluten Werte sind eher da um sich nochmal die Größenunterschiede bewusst zu machen.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Die Profitabilität der Banken ist bei den vier US Banken sehr unterschiedlich. Die Bank of America und JP Morgan sind hier wieder mal an der Spitze, wobei zu erkennen ist, dass es im Laufe des Jahres 2021 eine Annäherung zwischen diesen beiden gab. Das lag vor allem an der sinkenen Profitabilität bei JPMorgan Chase.

Die Entwicklung bei Wells Fargo und Citigroup sind deutlich schwächer und auch volatiler. Beide Unternehmen, aber besonders Wells Fargo, haben ein Kostenproblem.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Entsprechend ist auch die Entwicklung der Eigenkapitalrendite. Hier kann abermals JPMorgan Chase die besten Zahlen mit aktuell 13,57% vorweisen, obwohl sie auch die höchste Eigenkapitalquote von 14,1% (Tier 1 Ratio) hat.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Doch auch die anderen Banken sind insgesamt betrachtet gut mit Eigenkapital ausgestattet. Alle hier betrachtete Banken sind von Financial Stability Board (FSB) als systemrelevante Banken eingestuft und haben damit höhere Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung zu erfüllen.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Dividenden und Aktienrückkäufe

Bei Bankaktien muss ein Investor grundsätzlich verstehen, dass diese in guten Zeiten und wenn das Unternehmen alle regulatorischen Anforderungen erfüllt, frei über die Kapitalallokation entscheiden kann. Doch kann in den anderen Fällen die FED die Möglichkeiten beschränken oder ganz aufheben. So war es bspw. während er COVID-19 Krise, als Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhung verboten wurden.

Alle vier Banken kaufen regelmäßig Aktien zurück, halten sich momentan jedoch aufgrund der sich abkühlenden Wirtschaft und erwarteten höheren regulatorischen Anforderungen zurück.

Die Dividenden werden allerdings weiterhin regelmäßig ausgezahlt. Im Folgenden stellen wir die aktuelle Dividendenrendite da und als Vergleich die durchschnittliche Rendite der vergangenen Jahre.

Dividendenrendite AktuellDividendenrendite 3 YearDividendenrendite 5 YearDividendenrendite 10 Year
Bank of America2,40%2,44%2,37%1,89%
JPMorgan Chase2,99%3,07%2,97%2,88%
Wells Fargo2,66%2,81%3,08%2,98%
Citigroup4,28%3,66%3,27%2,02%

Fair Value Ermittlung

Zunächst möchten wir einen Blick auf einige Bewertungskennzahlen werfen. Besonders bei Banken, bei denen in der Bilanz schon sehr viel mit dem Fair Value bewertet wird, ist der Buchwert je Aktie und darauf aufbauen das Kurs-Buchwert-Verhältnis teilweise aussagekräftiger als bei anderen Branchen.

KBV AktuellKBV 1 YearKBV 3 YearKBV 5 YearKBV 10 Year
Bank of America1,261,281,191,190,98
JPMorgan Chase1,571,511,591,591,35
Wells Fargo1,151,110,981,141,33
Citigroup0,520,580,680,770,76

Bezogen auf das reine KBV scheinen Bank die Bank of America und JPMorgan Chase leicht überbewertet, während Wells Fargo eher fair bewertet und Citigroup unterbewertet erscheinen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis möchten wir an dieser Stelle als weiteren Indikator hinzunehmen. Dabei wird der erwartete Gewinn in den kommenden 12 Monaten (NTM) in Bezug zum Kurs betrachtet.

KGV AktuellKGV 1 YearKGV 3 YearKGV 5 YearKGV 10 Year
Bank of America10,5011,3812,7812,0112,00
JPMorgan Chase10,6211,1112,6012,2211,46
Wells Fargo9,3410,8113,1612,3612,22
Citigroup7,607,589,159,339,68

Anhand des KGV für die nächsten 12 Monate sieht die Einschätzung schon eher anders aus. Basierend auf dieser Kennzahl scheinen alle vier Bankaktien im historischen Mittel unterbewertet.

Unsere eigene Bewertung des Fair Values bei Banken erfolgt nach dem Excess Returns Modell. Anhand dessen haben wir folgende Fair Values ermittelt:

Fair ValueAktienkursSicherheitsmarge
Bank of America40 USD38 USD106,1%
JPMorgan Chase140 USD137 USD102,4%
Wells Fargo55 USD47 USD115,9%
Citigroup65 USD48 USD134,6%
Eigene Fair Value Berechnung

Die ermittelten Fair Values passen zur allgemeinen Entwicklung der Unternehmen. JPMorgan Chase und Bank of America scheinen eher fair bewertet zu sein und Wells Fargo und Citigroup eher unterbewertet.

Wo ist nun der Burggraben?

Die Burggräben bei Banken sind unserer Meinung nach sehr schwierig zu bewerten und fallen sehr unterschiedlich aus. Dies hängt unter anderem jeweiligen Geschäftsbereich ab. Grundsätzlich ist Größe bei Banken sehr bedeutend, denn so können die Kosten breiter allokiert werden und so eine Skalierbarkeit erreicht werden.

Kostenführerschaft führt mindestens zu einem Wettbewerbsvorteil, denn der Wettbewerb um neue und Bestandskunden ist sehr hoch. Und je günstiger man diverse Produkte anbieten kann, desto eher wird sich ein Kunde für ein bestimmtes Produkt, z.B. ein Konto, eine Kreditkarte oder ein Depot entscheiden.

Allgemein sind langfristige Verträge (z.B. Darlehen) und Kundentreue (Wechselkosten aufgrund Kontowechsel) Punkte, die auch eine Art Burggraben erzeugen. Vor allem gilt das bei Firmenkunden und anderen institutionellen Kunden.

Auch das Thema Regulatorik spielt eine große Rolle. Sie verhindern, dass unter anderem große neue Wettbewerber entstehen. Es sind eher die bestehenden Banken, die im Wettbewerb sind. Es gibt zwar durchaus das Risiko, dass Fintechs den Unternehmen Marktanteile in einigen bestimmten Bereichen abnehmen, aber zumindest bisher stellen sie keine ernsthafte Gefahr dar, da ihr Geschäftsmodell meist auch sehr eng gefasst ist.

Und welche Bankaktie ist nun die beste?

Ganz eindeutig kann man diese Frage nicht beantworten. Ausgehend von der Profitabilität und Rentabilität ist zu sagen, dass JPMorgan Chase dominant ist und klar den ersten Platz erhält. Auf Platz 2 folgt die Bank of America, die eine starke Entwicklung gemacht hat. Dahinter folgen Wells Fargo und die Citigroup.

Was die Bewertung betrifft, ist die Reihenfolge eigentlich genau herumgekehrt, aber dafür gibt es auch gute Gründe. Wells Fargo und Citigroup haben große Herausforderungen zu meistern, während die Bank of America und JPMorgan Chase sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Erkennbar ist diese Entwicklung auch am Aktienkurs. In den letzten 5 Jahren haben nur JP Morgan Chase und die Bank of America den Aktionären eine positive Rendite (ohne Dividenden) beschert. In der gleichen Zeit sind Wells Fargo und Citigroup deutlich zurückgeblieben.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Betrachtet man nur das Jahr 2022 kann sich Wells Fargo mit nur -6,49% erstaunlich gut halten. Auch wenn alle Aktienkurse gesunken sind, hat sich der Underdog gut geschlagen. Vor allem institutionelle Investoren „wetten“ auf einen Turnaround von Wells Fargo. Sollte die Asset Cap von der FED aufgehoben werden könnte es durchaus zu einem weiteren Kursanstieg kommen. Das ist natürlich spekulativ.

Aktienanalyse US Banken Aktien Fundamentale Analyse Fair Value Bank of America JPMorgan Chase Wells Fargo Citigroup Aktie

Die Aktie der Citigroup hat dagegen am schlechtesten performt und über -23,4% verloren. Grund hierfür wird auch sein, dass sie stärker International aufgestellt ist und die U.S. Wirtschaft, in denen die drei anderen Unternehmen ihren Schwerpunkt haben, teilweise stärker und robuster dasteht als die in Europa und Asien. Im Gegenzug bietet die Citigroup Aktie allerdings die höchste Dividendenrendite und auch, was die Bewertung angeht das höchste Aufholpotential.

Fazit und Zusammenfassung

Fassen wir zunächst die wichtigsten Punkte der Analyse zusammen:

  • JPMorgan Chase
    • Größte Bank der USA
    • Beste Rentabilität und Profitabilität
    • Höchste Bewertung
    • Aktie leicht überbewertet
  • Bank of America
    • Zweitgröße Bank der USA
    • In Sachen Profitabilität und Rentabilität auf Platz 2
    • Große Herausforderungen aus der Vergangenheit scheinen überwunden zu sein
    • Aktie eher fair bewertet
  • Wells Fargo
    • Stärke im Privatkundengeschäft
    • Zurzeit viele Probleme zu lösen
    • Befindet sich in einem Umbruch, der noch viele Jahre gehen kann
    • Asset Cap der FED legt das Unternehmen in Ketten
    • fundamentale Kennzahlen sind ok, viel Potential nach oben, wenn Probleme gelöst werden können
    • Aktie eher unterbewertet
  • Citigroup
    • Am stärksten International ausgerichtet
    • Fundamentale Kennzahlen am schwächsten
    • Höchste Dividendenrendite
    • Aktie unterbewertet
    • Scheint Probleme zu haben regulatorische Anforderungen in angemessener Qualität zu erfüllen
grafik 18
Fundamentale Einschätzung – Screenshot aus Aktien Watchlist

Alle vier Banken haben ihre Besonderheiten und es gibt durchaus Gründe, die für oder gegen ein Investment sprechen könnten. Die Aktien von JPMorgan Chase und Bank of America scheinen solide zu sein und grenzen Risiken, aber auch Chancen eher ein. Die Aktie von Citigroup bietet eine spannende Möglichkeit in eins unserer Meinung nach unterbewertetes Unternehmen zu investieren. Wells Fargo ist in unseren Augen eine Art unterbewertete Turnaround Story, jedoch mit entsprechend höherem Risiko. Hier wird man als Investor viel Geduld mitbringen müssen. Was alle Aktien gemeinsam haben: Eine recht anständige Dividendenrendite.

Die künftige wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere in den USA, sollte man nicht komplett außer Acht lassen. Insbesondere die Zinsentscheidungen der FED haben unmittelbare Auswirkungen.

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Die Analyse stellt keine Anlagenberatung dar oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der Aktie. Der Autor ist in Bank of America und JPMorgan Chase investiert.

Quelle Beitragsbild: CANVA, Pixabay, TIKR, Unternehmenswebsite

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Analyse Rollins Aktie 2022

Vorwort zur Rollins Analyse

Die Welt der Aktien ist eine sehr spannende. Auf der Suche nach immer neuen Anlagemöglichkeiten und Unternehmen stößt man auf Geschäftsmodelle, an die man wirklich nicht gedacht hätte. Unsere neueste Analyse schaut genauer auf einen der führenden „Kammerjäger“. Viel Spaß beim lesen!

Eckdaten zur Rollins Aktie

AktieWert
NameRollins, Inc.
HauptsitzAtlanta, Georgia, USA
Gründungsjahr1964
Mitarbeiterca. 16.500
ISINUS7757111049
WKN859002
TickerROL
Ausstehende Aktien492.417.300
Börsenwert18,2 Mrd. USD
Investor Relations WebsiteLink
Letzter GeschäftsberichtGeschäftsbericht 2021
(Geschäftsjahr endet am 30.12.)
Umsatz letztes Jahr2,4 Mrd. USD
Stand 05.10.2022

Kurzvorstellung Rollins

Rollins, Inc. ist ein Dienstleistungsunternehmen aus den USA mit Hauptsatz in Atlanta, Georgia. Das Unternehmen wurde 1964 gegründet und ist seit 1968 an der Börse gelistet.

Das Unternehmen bietet mehr als zwei Millionen Privat- und Geschäftskunden in über 800 eigenen und Franchise-Niederlassungen in 70 Ländern Dienstleistungen zur Bekämpfung von Schädlingen und Wildtieren sowie zum Schutz vor Termitenschäden, Nagetieren und Insekten.

Rollins vereint verschiedene führende Marken. Dazu gehören Orkin, HomeTeam Pest Defense, Clark Pest Control, Western Pest Services, Critter Control Wildlife und Northwest Pest Control und weitere.

Zum Ende des Geschäftsjahres 2021 hat Rollins 16.482 Mitarbeiter beschäftigt.

Geschäftsmodell von Rollins

Das Unternehmen hat drei Geschäftseinheiten:

  • Residential: Schädlingsbekämpfungsdienste zum Schutz von Wohnimmobilien vor häufigen Schädlingen, einschließlich Nagetieren, Insekten und Wildtieren;
  • Commercial: Lösungen zur Schädlingsbekämpfung am Arbeitsplatz für Kunden aus verschiedenen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, der Gastronomie und der Logistik;
  • Terminte: Traditioneller und ködergestützter Termitenschutz und ergänzende Dienstleistungen für private und gewerbliche Kunden.

Essentiell für den Markt für Schädlings- und Termitenbekämpfung sind die Qualität der Dienstleistungen, Kundennähe, Garantiebedingungen, Sicherheit, technische Kompetenz und der Preis. Rollins hat eigene technische Systeme, um diese Faktoren zu gewährleisten und zu optimieren.

Zudem müssen entsprechende Kapazitäten vorhanden sein, damit neue Kunden regelmäßig akquiriert werden können. Termine müssen zeitnah vergeben werden können, da kein Kunde lange auf den „Kammerjäger“ warten möchte.

Für den wirtschaftlichen Erfolg sind auf der Kostenseite vor allem die Optimierung der Routen der Fahrzeuge und deren Auslastung wichtig, sowie die Einkaufspreise für die entsprechenden Schädlingsbekämpfungsmittel.

Rollins berichtet selbst, dass mit vielen Kunden langfristige Verträge zur regelmäßigen Beseitigung von Schädlingen, sowie zur Prävention und entsprechenden Kontrollen bestehen. Das führt dazu, dass die Umsätze einen regelmäßig wiederkehrenden Charakter aufweisen. In der Regel werden zu Beginn einer Geschäftsbeziehung ein 1-Jahresvertrag vereinbart, der sich dann verlängert.

Rollins hat zudem Franchise-Programme durch Orkin, Critter Control und seine australischen Tochtergesellschaften. Insgesamt 135 inländische und 103 internationale Franchisevereinbarungen waren in 2021 aktiv. Diese spielen im Moment keine große Rolle beim Umsatz oder Gewinn.

Marktstellung von Rollins

Die Marken von Rollins haben einen sehr guten Ruf und stehen für höchste Dienstleistungsqualität.

Zu den wichtigsten Wettbewerbern gehören Terminix, Ecolab, Rentokil und Anticimex.

Der Markt hat eine Größe von etwa 20 Mrd. USD und wächst ca. 4-5% pro Jahr. Knapp die Hälfte des Marktes entfällt auf die USA. Der Markt ist sehr stark fragmentiert und wird von vielen kleinen Unternehmen bedient. Es wird geschätzt, dass es ungefähr 38.000 Unternehmen weltweit gibt, davon 20.000 in den USA.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: IR Präsentation von Rollins

Besonderheit Aktionärsstruktur

Die Gründerfamilie ist bis heute ein bedeutender Anteilseigner von Rollins. Über die Beteiligungsgesellschaft Lor Inc. hält sie rund 44% der Aktien. Darüber hinaus werden noch weitere Anteil direkt gehalten. Auch die Geschäftsführer von Rollins haben teilweise bedeutende Aktienpakete.

Aktuelle Entwicklungen bei Rollins

Geschäftsentwicklung im FY 2022

Im ersten Halbjahr 2022 hat sich Rollins sehr ordentlich entwickelt. Die Umsatzerlöse sind um +11,2% gestiegen. Höhere Kosten haben jedoch das operative Ergebnis und das Nettoergebnis stark gedrückt.

Der Kostenanstieg ist vor allem auf höhere Personalkosten und Materialkosten zurückzuführen. Darüber hinaus stiegen die Fuhrparkkosten, hauptsächlich aufgrund höherer Kraftstoffkosten.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: 2022 Q2 10-Q

Zum Überblick noch die Umsatzaufteilung auf die verschiedenen Produktbereiche. Beachtenswert ist, dass dieser in sämtlichen Kategorien gestiegen ist.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: 2022 Q2 10-Q

In Summe kann man sagen, dass sich das Geschäft relativ unbeeindruckt von der weltweiten wirtschaftlichen und politischen Situation weiterhin positiv entwickelt.

Fundamentale Kennzahlen Rollins

Für die Bewertung der fundamentalen Kennzahlen von Rollins schauen wir uns natürlich nicht nur die aktuellen Zahlen an, sondern schauen uns die langfristige Entwicklung dieser Kennzahlen an.

Die Umsatzerlöse sind in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. Auch im Jahr 2020 gab es keinen Einbruch. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) betrug rund 8,5%. Im Geschäftsjahr 2021 wurden rund 2,4 Mrd. USD Umsatz erzielt.

Das operative Ergebnis ist den Jahren relativ gleichlautend gestiegen und betrug im letzten abgelaufenen Geschäftsjahr rund 440 Mio. USD, was einer operativen Marge von 18,1%.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Den Umsatz erzielt Rollins weitestgehend in den USA.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: 2021 10-K von Rollins

Die Verteilung auf die verschiedenen Dienstleistungskategorien sind in der nachfolgenden Tabelle aus dem letztjährigen Jahresabschluss zu erkennen.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: 2021 10-K von Rollins

Ein Blick auf die Profitabilität von Rollins zeigt schnell, dass es sich dabei um ein sehr profitables und rentables Unternehmen handelt. Der Einbruch beim Return on Capital hängt mit der Einführung der neuen Vorschriften zur Leasingbilanzierung zusammen und hat nichts mit einer schlechteren Performance zu tun.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Entsprechend ist Rollins auch im Punkt Cashflow seht stark aufgestellt. Der operative und freie Cashflow sind in den vergangenen Jahren sehr ordentlich gestiegen. Besonders auffällig und auch durchaus positiv ist, dass das Unternehmen sehr wenig Kapital benötigt. Die Investitionen (CAPEX) sind sehr gering (Durchschnitt von 2015 bis LTM = 1,6% der Umsätze).

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Die Verschuldung von Rollins ist zu vernachlässigen.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Zuletzt nochmal unsere Übersicht mit den von uns selbst berechneten Kennzahlen.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Eigene Berechnung – Kann leicht von den Daten in den Screenshots von TIKR.com abweichen. LTM = Last Twelve Month -> Summe der letzten 4 Quartale

Investment Case Rollins Aktie und Fair Value Ermittlung

Neben der Analyse der fundamentalen Zahlen machen wir natürlich Gedanken, was für oder gegen ein Investment in Rollins sprechen könnte.

Sehr beständiges und resilientes Geschäftsmodell

Ungeziefer und Schädlinge nehmen keine Rücksicht auf Konjunkturzyklen, Inflation oder andere makroökonomische und politische Entwicklungen. Sind sie einmal da, möchte man sie als Hausbesitzer sofort loswerden, allenfalls droht sogar ein größerer und evtl. langwieriger Schaden. Und am liebsten möchte man natürlich präventiv vorsorgen und vermeiden, dass es überhaupt dazu kommen kann.

Dies führt dazu, dass es eine stabile Nachfrage nach diesem Dienstleistungen gibt.

Wiederkehrende Umsätze

Schädlingsbekämpfungsdienste für Privathaushalte und Gewerbebetriebe werden in erster Linie monatlich, zweimonatlich oder vierteljährlich durchgeführt. Im Allgemeinen schließen die Kunden für die Schädlingsbekämpfung zunächst einen Einjahresvertrag ab, der sich dann automatisch verlängert. So entstehen zudem langfristige Kundenbeziehungen.

Fragmentierter Markt mit zahlreichen Akquisitionsobjekten

Zur Wachstumsstrategie von Rollins gehören vor allem Akquisitionen. Da der Markt, wie oben schon gezeigt, sehr fragmentiert ist, gibt es sehr viele eher kleine Akquisitionsobjekte. Daher verfügt das Management von Rollins über umfangreiche Erfahrungen. In den letzten drei Jahren hat Rollins etwa 100 Übernahmen abgeschlossen. Die Akquisitionsstrategie zielt auf qualitativ hochwertige, profitable Unternehmen mit einer starken Führung, die von zusätzlichem Wachstumskapital profitieren würden und das Potenzial haben, ihre Margen durch Kosten- und Ertragssynergien zu erhöhen.

Bisher scheint diese Strategie sehr erfolgreich zu sein.

Familienunternehmen mit einigen erwähnenswerten Related Party Transactions.

Das Unternehmen wird von Mitgliedern der Gründerfamilie geführt wird und diese besitzen auch weiterhin große Aktienpakete. Es kommt immer wieder zu etwas zweifelhaften Transaktionen mit Gesellschaften dieser Eigentümer oder Verwandten von Mitgliedern bestimmter Gremien.

So wurden in den vergangenen Jahren diverse Verträge über den Erwerb oder dem Leasing von Flugzeugen mit Lor Inc. getroffen, einer Firma, die auch der Rollins Familie gehört. Zudem wurde mit dem Sohn des Vice Chairmans Wilson ein Orkin Franchise Agreement abgeschlossen.

Grundsätzlich müssen solche Verträge nicht unbedingt problematisch sein, aber es wäre uns lieber solche Transaktionen würde es nicht geben oder zumindest nicht in dem Umfang.

Fair Value Bewertung der Rollins Aktie

Den Fair Value der Rollins Aktie haben wir mittels DCF Verfahren ermittelt. Hierfür schätzen wir auf Basis der vorhandenen Informationen die Umsatz- und Ergebnisentwicklung und leiten daraus die prognostizierten Owners Earnings, bzw. den Free Cashflow ab, der mit den gewichteten Kapitalkosten (WACC) abgezinst wird.

Wir schätzen im Base Case, dass die Umsatzerlöse bis 2026 auf etwa 3,6 Mrd. USD ansteigen werden und sich daraus Owners Earnings in Höhe von 0,6 Mrd. USD ergeben.

Daraus ergibt sich im Moment ein Fair Value von ca. 26 USD. Im Verhältnis zum momentanen Aktienkurs von etwa 36 USD ergibt sich hieraus eine Sicherheitsmarge von ca. 72%. Wir schätzen, dass der Fair Value in zwei Jahren auf ca. 29 EUR steigen könnte.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Eigene Darstellung – 50% = Base Case Szenario; 90% = Best Case Szenario; 10%= = Worst Case Szenario

Dividende der Rollins Aktie

Rollins zahlt quartalsweise eine Dividende aus. Zuletzt betrug diese 0,10 USD je Aktie.

Die Dividendenrendite beträgt im Moment ca. 1,03% und liegt damit über dem Mittelwert der letzten 5 Jahre von ca. 0,92%.

Fazit und Ausblick zur Rollins Aktie

Zunächst fassen wir einmal die Kernaussagen unserer Analyse zusammen:

  • Sehr gute Profitabilität und Rentabilität
  • Nahezu schuldenfrei
  • Durchschnittliche Wachstumsaussichten, vor allem Fokus auf Akquisitionen
  • Sehr stabiles Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen
  • Marktführende Stellung des Unternehmens
Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Eigene Darstellung

Unserer Einschätzung nach ist die Rollins Aktie zurzeit deutlich überbewertet. Darin liegt auch das Problem der Aktie. Das Geschäftsmodell ist sehr krisensicher und das Unternehmen entwickelt sich sehr stabil. Daher wird die Aktie stets mit einem hohen Bewertungsaufschlag gehandelt.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - Rollins Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Rollins Aktie bei Google Finanzen

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Die Analyse stellt keine Anlagenberatung dar oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der Aktie. Der Autor ist in die Aktie nicht investiert.

Quelle Beitragsbild: CANVA, Pixabay, TIKR, Unternehmenswebsite

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Aktienanalyse

Analyse KION Aktie 2022

Vorwort zur KION Analyse

Kurz nachdem wir mit der Analyse der KION Aktie begonnen hatten, meldete KION per Adhoc Mitteilung einen drohenden Verlust für das dritte Quartal. Die Aktie ist daraufhin sehr stark gefallen. Neben dieser negativen aktuellen Entwicklung möchten wir uns aber nun anschauen was KION eigentlich so macht und ob es doch eine interessante Investitionsmöglichkeit sein könnte.

Eckdaten zur KION Aktie

AktieWert
NameKION Group AG
HauptsitzFrankfurt am Main, Deutschland
Gründungsjahr2006
Mitarbeiterca. 40.000
ISINDE000KGX8881
WKNKGX888
TickerKGX
Ausstehende Aktien131.198.647
Börsenwert4,4 Mrd. EUR
Investor Relations WebsiteLink
Letzter GeschäftsberichtGeschäftsbericht 2021
(Geschäftsjahr endet am 30.12.)
Umsatz letztes Jahr10,3 Mrd. EUR
Stand 17.09.2022

Kurzvorstellung KION

Die KION GROUP AG bietet weltweit Flurförderzeuge, Lagertechnik, Supply-Chain-Lösungen und damit verbundene Dienstleistungen an.

Das Unternehmen ist in den Segmenten Industrial Trucks & Services und Supply Chain Solutions tätig. Das Segment Industrial Trucks & Services (ITS) entwickelt, produziert und vertreibt Gabelstapler und Lagertechnikgeräte unter den Markennamen Linde, Fenwick, STILL, Baoli und OM. Das Unternehmen produziert und vertreibt auch Ersatzteile, vermietet Flurförderzeuge und zugehörige Artikel, bietet Wartungs- und Reparaturdienste sowie Flottenmanagement an und stellt Finanzierungslösungen bereit.

Im Segment ITS wird die Hälfte des Umsatzes mit Neugeschäfts erwirtschaftet und die andere Hälfte mit Dienstleistungen. Regional betrachtet wird ein bedeutender Teil des Umsatzes in Europa erwirtschaftet.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug Investorenpräsentation 2022

Das Segment Supply Chain Services (SCS) bietet integrierte Technologie- und Softwarelösungen an, darunter Förderer, Sorter, Lager- und Bereitstellungssysteme, Kommissioniergeräte, Palettierer und fahrerlose Transportsysteme unter der Marke Dematic.

Das Projektgeschäft ist hier führend und erzielt rund 80% des Umsatzes, rund 20% wird durch Dienstleistungen erwirtschaftet. Dominierend ist in diesem Segment die geographische Region „Americas“.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug Investorenpräsentation 2022

Die KION Group AG wurde 2006 gegründet und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main, Deutschland.

Ende 2021 waren weltweit mehr als 1,6 Mio. Flurförderzeuge und mehr als 8.000 installierte Systeme der KION Group bei Kunden verschiedener Größe in zahlreichen Industrien in über 100 Ländern im Einsatz. Der Konzern beschäftigt aktuell rund 40.000 Mitarbeiter.

Geschäftsmodell von KION

Das Geschäftsmodell des Segments ITS erstreckt sich über die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich Material-Handling: Produktentwicklung, Produktion, Vertrieb und Servicegeschäft, Miet- und Gebrauchtfahrzeuggeschäft, Flottenmanagement sowie Finanzdienstleistungen zur Unterstützung des operativen Geschäfts mit Flurförderzeugen.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug Investorenpräsentation 2022

Das Segment SCS ist hauptsächlich im kundenspezifischen, längerfristigen Projektgeschäft tätig. Das Leistungsspektrum im Projektgeschäft deckt alle Phasen einer Neuinstallation ab. Die Phasen umfassen unter anderem die Analyse des Kundenbedarfs, entsprechende Beratung und die Computersimulation der Logistiklösungen, die technische Planung und Konstruktion des Systems, die Implementierung der Steuerungstechnik und die Einbindung in die IT-Landschaft, das Projektmanagement sowie die Anlagenüberwachung und Unterstützung des Kunden bei der Einführung des Systems einschließlich der Schulung des Personals.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug Investorenpräsentation 2022

Marktstellung von KION

KION hat in seinen Segmenten marktführende Stellungen. Bei ITS sieht man sich als Nummer 2 der Welt und bei den automatisierten Systemen (SCS) als Weltmarktführer.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug Investorenpräsentation 2022

Besonderheit Aktionärsstruktur

Seit 2021 ist die Weichai Power Group aus China Großaktionär bei KION und hat entsprechende Rechte. Der Anteil beträgt im Moment ca. 45,23%.

Aktuelle Entwicklungen bei KION

Geschäftsentwicklung im FY 2022

Das erste Halbjahr 2022 war für KION besonders von der weltweiten schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage gekennzeichnet. Während der Auftragseingang (+15,3% ggü. Vorjahresquartal auf 3,8 Mrd. EUR) und die Umsatzentwicklung weiterhin gut aussehen, ist der Kostendruck auf Beschaffungsseite sehr deutlich.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug aus Halbjahresbericht 2022

Insgesamt ist das operative Ergebnis nahezu halbiert worden und auch die Entwicklung des Cashflows ist bedenklich. Diese Entwicklungen führen uns zur aktuellen Adhoc Mitteilung des KION Managements.

Adhoc zur negativen Entwicklung in Q3 2022 und aktualisierter Ausblick für 2022

Vor einigen Tag hat das KION Management mit einer Meldung die Märkte negativ überrascht und eine deutliche Verschlechterung der Ergebnissituation bekannt gegeben.

Was dabei besonders negativ überrascht ist, dass das Management wohl selbst dabei diverse Fehler gemacht hat. So schreibt es unter anderem:

Ein Großteil der Entwicklung wird durch das Segment Supply Chain Solutions (SCS) getrieben. […] Dabei wurden folgende Ursachen für die gesunkene Profitabilität ermittelt:

• Die Material-, Komponenten-, Lohn- und Logistikkosten für die mehrjährigen Projekte bei SCS sind erheblich gestiegen und werden voraussichtlich weiter steigen. Bislang konnte SCS nur einen geringen Teil dieser Kostensteigerungen an die Kunden weitergeben, da in den Verträgen keine entsprechenden Klauseln enthalten waren.

• Störungen in den Lieferketten führen weiterhin zu Verzögerungen und verringern die Verfügbarkeit wichtiger Teile an den Projektstandorten. Dies führt dazu, dass Projekte ineffizient abgearbeitet werden und Projektgesamtkosten steigen. Aufgrund der neuen, parallel anlaufenden Projekte ist die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften deutlich gestiegen. Die Verfügbarkeit dieser Arbeitskräfte ist jedoch besonders in Nordamerika aufgrund der hohen Nachfrage aus anderen Branchen zunehmend begrenzt.“

Mitteilung vom 13.09.2022

Zwar schreibt das Management auch, dass nun entsprechende Maßnahmen implementiert werden, aber es stellt sich die Frage, warum das nicht schon vorher geschehen ist. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass die Fehler und Probleme sehr offen kommuniziert werden.

Resultat der Meldung ist letztendlich auch, dass die Prognose für das Jahr 2022 deutlich gekappt wurde. In den folgenden Darstellungen ist die Prognose für das Jahr 2022 aus dem Geschäftsbericht zu sehen und darunter die Aktualisierte.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Prognose im Geschäftsbericht 2021
Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Aktualisierte Prognose vom Septmeber 2022

Sämtliche Kennzahlen wurden deutlich reduziert. Der Free Cashflow soll deutlich negativ ausfallen.

Fundamentale Kennzahlen KION

Für die Bewertung der fundamentalen Kennzahlen von KION schauen wir uns natürlich nicht nur die aktuellen Zahlen an, sondern schauen uns die langfristige Entwicklung dieser Kennzahlen an.

Die Umsatzerlöse sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert worden. Betrugen diese in 2015 noch rund 5,1 Mrd. EUR, so sind diese in 2021 auf rund 10,3 Mrd. EUR mehr als verdoppelt worden. Entsprechend ist auch das operative Ergebnis gestiegen. Die operative Marge konnte bis 2019 leicht gesteigert werden und hatte nach dem Knick im Coronajahr 2020 wieder das „normale“ Niveau erreicht.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Die Aufteilung der Umsatzerlöse auf die Segmente kann aus dem folgenden Schaubild aus dem Geschäftsbericht entnommen werden. Das Segment ITS macht in 2021 etwa 63% der Umsatzerlöse aus und SCS rund 37%.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug aus Geschäftsbericht 2021

Die EBIT Marge bewegte sich im Analysezeitraum bei rund 7%, die normalisierte Nettomarge bei leicht über 4%. Der Return on Capital bewegt sich zwischen 4% und 7%. Die Profitabilitäts- und Rentabilitätskennzahlen sehen ganz in Ordnung aus, aber mehr auch nicht.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Bis auf die Belastungen in 2020 konnte KION den operativen Cashflow recht ordentlich steigern. Auch der Free Cashflow konnte absolut gesteigert werden. Die FCF-Marge lag in den Vor-Corona Jahren bei recht soliden 6% bis 6,5%.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Die Verschuldung von KION ist auf einem recht soliden Level und wurde in den vergangenen Jahren verhältnismäßig stark reduziert.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Quelle: TIKR.com

Zuletzt nochmal unsere Übersicht mit den von uns selbst berechneten Kennzahlen.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Eigene Berechnung – Kann leicht von den Daten in den Screenshots von TIKR.com abweichen. LTM = Last Twelve Month -> Summe der letzten 4 Quartale

Investment Case KION Aktie und Fair Value Ermittlung

Neben der Analyse der fundamentalen Zahlen machen wir natürlich Gedanken, was für oder gegen ein Investment in KION sprechen könnte.

Marktführerschaft

Das Segment Industrial Trucks & Services hat in 2021 gemessen am Auftragseingang einen Weltmarktanteil von 12,8 Prozent erreicht.

Das Segment Supply Chain Solutions (Dematic) ist gemessen am Umsatz der größte Anbieter im globalen Markt für
Warehouse Automation im Jahr 2020. Der globale Marktanteil belief sich auf 9,6 Prozent.

Insgesamt hat KION in seinen Produktbereichen eine marktführende Stellung.

Wachstumsmarkt für Neugeschäft und wiederkehrende Umsätze aus Wartung und sonstigen Services

KION deckt mit beiden Segmenten den gesamten Lebenszyklus seiner Produkte ab. Das sorgt neben dem Verkauf von Neuprodukten und zu Instandhaltungen, Reparaturen, Modernisierungen und Ersatzverkäufen.

Zudem bietet der Markt auf Basis von Megatrends interessante Wachstumsperspektiven. Hier gibt es viel Zukunftspotential. Details sind der Grafik aus der Investorenpräsentation von KION zu entnehmen.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug Investorenpräsentation 2022

Aktuelle Probleme im Projektgeschäft und Lieferketten

Die Meldung über die schlechte Entwicklung bei KION hat die Märkte überrascht. Doch ehrlicherweise muss man auch sagen, dass KION von den hohen Risiken im Projektgeschäft und im Beschaffungswesen schon vorher im Halbjahresbericht berichtet und gewarnt hat. Daher ist es wichtig auch den Risikobericht eines Unternehmens zu lesen.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Auszug Halbjahresbericht 2022 – Risikomatrix

Die aktuellen Probleme haben wohl externe und interne Ursachen und das Management hat diese immerhin erkannt, sehr offen und ehrlich kommuniziert, und geht diese nun an. Zwar leider mit etwas Verspätung, aber besser spät als nie.

Wir würden für unsere momentane Einschätzung davon ausgehen, dass diese Problematiken mittelfristig nicht mehr existieren.

Besonderheit Weichai Power

Wer unsere Beiträge schon länger verfolgt wird bemerkt haben, dass wir beim Engagement in China etwas vorsichtig sind. Weichai Power hat eine wichtige führende Rolle bei KION und durch seinen hohen Anteil auch entsprechenden Einfluss. Das muss erstmal natürlich nicht negativ sein, aber aufgrund der anhaltenden geopolitischen Spannungen sollte man dieses immer im Blick haben.

Sehr offene und verständliche Unternehmenskommunikation

Bei der Analyse ist uns die offene und verständliche Unternehmenskommunikation sehr positiv aufgefallen. Das spricht für ein Management und eine Unternehmenskultur, in der Transparenz wichtig ist.

Fair Value Bewertung der KION Aktie

Den Fair Value der KION Aktie haben wir mittels DCF Verfahren ermittelt. Hierfür schätzen wir auf Basis der vorhandenen Informationen die Umsatz- und Ergebnisentwicklung und leiten daraus die prognostizierten Owners Earnings, bzw. den Free Cashflow ab, der mit den gewichteten Kapitalkosten (WACC) abgezinst wird.

Wir schätzen im Base Case, dass die Umsatzerlöse bis 2026 auf etwa 13,2 Mrd. EUR ansteigen werden und sich daraus Owners Earnings in Höhe von 1,3 Mrd. EUR ergeben.

Daraus ergibt sich im Moment ein Fair Value von ca. 61 EUR. Im Verhältnis zum momentanen Aktienkurs von etwa 21 EUR ergibt sich hieraus eine Sicherheitsmarge von ca. 277%. Wir schätzen, dass der Fair Value in zwei Jahren auf ca. 79 EUR steigen könnte.

Aktienanalyse - Fair Value DCF Verfahren - KION Aktie Q2 2022 - Fundamentale Analyse - Update Prognose 2022 2026
Eigene Darstellung – 50% = Base Case Szenario; 90% = Best Case Szenario; 10%= = Worst Case Szenario

Dividende der KION Aktie

KION zahlt jährliche eine Dividende aus. In 2021 betrug diese 1,50 EUR.

Die Dividendenrendite beträgt im Moment ca. 6,89% und liegt damit deutlich über dem Mittelwert der letzten 5 Jahre von ca. 1,36%. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Dividende im kommenden Jahr jedoch geringer ausfällt, ist unserer Einschätzung nach sehr hoch.

Fazit und Ausblick zur KION Aktie

Zunächst fassen wir einmal die Kernaussagen unserer Analyse zusammen:

  • Durchschnittliche Profitabilität und Rentabilität
  • Verschuldungskennzahlen sind gut
  • Gutes Wachstum in der Vergangenheit und starke Zukunftsaussichten
  • Sehr starkes Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen
  • Marktführende Stellung des Unternehmens
  • Kurz- bis mittelfristig etwas größere Herausforderungen zu meistern.
Kion Bewertung1
Eigene Darstellung

Unserer Einschätzung nach ist die KION Aktie zurzeit unterbewertet. Das grundsätzliche Geschäftsmodell ist weiterhin intakt und die Wachstumstrends haben weiterhin ihre Gültigkeit. Die momentanen Probleme werden das Ergebnis entsprechend belasten, aber wir gehen davon aus, dass es mittelfristig wieder deutlich besser läuft.

Das Unternehmen hat ein sehr interessantes Geschäftsmodell, dass den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte abdeckt. Dazu hat sich KION in diesem besonderen Markt eine führende Stellung erarbeitet. Der Markt hat bei KION in Summe betrachtet sehr heftig reagiert.

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KION Aktie bei Google Finanzen

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Die Analyse stellt keine Anlagenberatung dar oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der Aktie. Der Autor ist in die Aktie nicht investiert.

Quelle Beitragsbild: CANVA, Pixabay, TIKR, Unternehmenswebsite

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